Inhalt:

Das Stück
Der Autor
Mitwirkende
Spielerinnen und Spieler
Der Komponist
Das kreislersche Phänomen
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Das Estrich-Theater spielte 2006 und 2007:


"Das Glas Wasser
oder
Ursachen und Wirkungen"

Lustspiel von Eugène Scribe
Musik und Gesangstexte von Georg Kreisler



Vom 8. Juni 2006 bis 24. Juni 2006
und 26. Januar 2007 bis 3. Februar 2007


Das Stück

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Es bedarf wenig, um die politische Welt zu verändern. Heute wie damals. Am Königshof in London im Jahr 1710 genügt ein Glas Wasser. Dieses Glas führt zum endgültigen Bruch zwischen der willensschwachen und leicht beeinflussbaren Königin Anne von England und deren machthungrigen und intriganten Beraterin, der Herzogin von Marlborough, deren Mann, als Feldmarschall im Krieg gegen Frankreich, grosszügig in die eigene Tasche wirt- schaftet. Der kleine Vorfall führt den Frieden mit Frankreich herbei und macht Henry Bolingbroke, erklärten Feind der Herzogin und Führer der Opposition, zum Minister und obersten Ratgeber der Königin. Darauf hat Henry Bolingbroke hingearbeitet, als begnadeter Redner, narzisstisch seine Möglichkeiten auslotend und sich der weiblichen Gefühle bedienend. Als er entdeckt, dass die beiden mächtigsten Frauen Englands dem ungelenken Charme des Fähnrichs im Garderegiment, Arthur Masham, verfallen sind, weiss er gekonnt mit ihrer Eifersucht zu spielen. Masham hingegen liebt Abigail, eine Verkäuferin, die ihre Stelle verlor und durch Henry Bolingbrokes Taktieren zur Hofdame der Königin aufsteigt und so in den engsten Kreis der Macht gelangt. Sie wird zur Quelle, die Bolingbrokenutzt, um den Einfluss der Herzogin zu untergraben und die Königin auf seine Seite zu bringen. So geschieht es: Als KöniginAnne während eines Empfangs Masham um ein Glas Wasser bittet, deutet die Herzogin dies als ein Zeichen heimlicher Verbundenheit und lässt sich zu einem Gefühlsausbruch hinreissen. Der Konkurrenz- kampf der zwei Frauen endet zu Ungunsten der Herzogin. Sie wird entlassen. Doch sie wagt einen letzten Versuch zur Königin vorzudringen, um ihr ihre Unentbehrlichkeit zu demonstrieren. Wer macht den alles entscheidenden Zug auf dem Spielfeld um die Macht? Wer um den der Liebe?

Der Autor

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Eugène Scribe möchte mit seinen Stücken das Publikum unterhalten. Selbst wenn er soziale Missstände beleuchtet, bleibt sein oberstes Ziel die Zuschauer zu amüsieren. Geboren wurde Scribe Ende Februar 1791 in Paris, wo er wenige Wochen vor seinem siebzigsten Geburtstag auch starb. In Paris beherrschte er in den Jahren 1820 bis 1850 die Theaterszene mit seinen Boulvardkomödien. Künstlerisch kam Scribe von der Vaudevillekomödie her, der er eine neue Form gab, indem er sie mit der Intrigenkomödie verband. Scribe studierte Jura. Nach dem Tod seiner Mutter, die ihm ein kleines Vermögen vererbte, brach er sein Studium ab und widmete sich ganz dem dramatischen Schaffen. Dies zu Beginn äusserst erfolglos. Der Durchbruch gelang Eugène Scribe erst 1815 mit der Vaudevillekomödie “Eine Nacht der Nationalgarde“ (Une Nuit de la Garde Nationale), die er zusammen mit dem Theaterautor Delestre-Poirson verfasst hatte. Der Erfolg führte zur Anstellung als Hausdichter des “Théâtre de la Madame“. Als seine Komödie “Die Geldheirat“ (Le Mariage d‘Argent, 1827) an der Comédie Française aufgeführt wurde, war sein Ruhm für die kommenden Jahrzehnte gesichert. Weltruhm erlangte er aber erst mit der 1840 entstandenen Komödie “Das Glas Wasser“ (Le Verre d‘Eau). Neben seinen Theaterstücken verfasste er auch Romane, Tragödien und zahlreiche Opernlibretti. Am Ende seines Lebens hatte er über 350 Stücke verfasst, meist in Zusammenarbeit mit anderen Autoren. Seinen Ruhm verdankt er eher seiner dramatisch brillanten Technik, als dem relativ einfachen Inhalt der Komödien, die dem bürgerlichen Wertekanon völlig verhaftet bleiben.

Mitwirkende

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Mitwirkende
Regie Susanne Zürrer
Musikalische Leitung / Arrangements Thomas Schuler
Querflöte Joy Renn
Klarinette Andreas Bommer
Klavier Thomas Schuler
Violine I Walter Pankow
Violine II Brigitte Waldvogel-Rüther
Viola Danielle Heufemann
Bühnenbild Peter Nüesch
Bühnenbau Wolfgang Fischer, Renate Wiedmer
Transporte / Bühnenaufbau Thomas Wiedmer
Beleuchtung Margrit Reiser
Kostüme Vreni Urech
Maske Isabelle Graf
Vorverkauf / Kasse Ursi Scheidegger
Fotos Bruno Oberhänsli
Programmtext Gudrun Sachse / Thomas Schuler
Grafik Irene Meier
Druck Schneider Druck AG

Spielerinnen / Spieler

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Anna, Königin von England Gudrun Sachse
Lady Churchill, Herzogin von Marlborough Carol Wiedmer-Scheidegger
Henry St. John, Viscount of Bolingbroke Patrik Süess
Arthur Masham, Fähnrich der Garde Andreas Schiller
Abigail, Verkäuferin, Cousine der Herzogin Sabrina Steinmeier
Torcy, Gesandter Ludwig des XIV. Wolfgang Fischer
Thompson, Kammerdiener der Königin Wolfgang Fischer

Der Komponist

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Der Komponist Georg Kreisler, geboren 1922 in Wien, lebt heute in Basel. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Georg Kreisler gilt als einer der bedeutendsten Musikkabarettisten deutscher Sprache. Seine tiefgründigen und spitz- züngigen Lieder sind geachtet, gefürchtet und als “staatsge-fährdend“ verschrien. Kreisler ist Texter, Musiker und Interpret. Er schrieb unzählige Theaterstücke, Musicals und Lustspiele. 1938 floh die jüdische Familie Kreisler vor den Nationalsozialisten in die USA. Dort erwartete Georg Kreisler ein hartes Leben, ohne Arbeit und kaum Essen. Er schlug sich als Barpianist durch, begann Chansons zu singen, um Geld zu verdienen. 1955 kehrte er als Amerikaner nach Wien zurück. In den Fünfzigerjahren entstanden die Chansons, die ihn legendär machten, wie “Taubenvergiften“, “Zwei alte Tanten tanzen Tango“ oder “Wie schön wäre Wien ohne Wiener“. Seither gilt er als “Makabrist“. Wer ihm schwarzen Humor andichten wolle, sagt Kreisler, sähe nicht, dass er nur die Wirklichkeit beschreibe. Das Publikum habe ihn immer gemocht. Wer ihn nie richtig emporkommen liess, waren “die da oben“. Mit über Vierzig gelang ihm der grosse Durchbruch. Und mit über Achtzig erschien nun auch seine Biografie.

Das kreislersche Phänomen

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Um das gestalterische Phänomen Georg Kreisler genauer einzukreisen, bedürfte es eines lokalisierbaren Mittelpunktes, welcher von Kreisler selbst gekonnt verschleiert, wenn nicht gar aufgehoben wird. Stilistisch mit vielen Wassern gewaschen, charakterisiert er die Figuren durch unterschiedlichste musikalische Programme. Während er der Königin Unsicherheit mit einem lakonischen Marsch augenzwinkernd persifliert (Nr. 5 Finale I), lässt er deren naive Schwärmerei in einem schwelgerischen Walzer aufgehen (Nr.11 Wichtig ist nur der Mann). Zahlreiche ironische Zitate im Begleitsatz eröffnen dem aufmerksamen Zuhörer ein Universum an pointierten Kommentaren des Komponisten – Röntgenbilder einer Szene. So erklingt in der Eröffnungsszene Mozarts “Kleine Nacht- musik“ in einer komprimierten Variante. Der Fokus richtet sich bei der Konzertsituation von der Sängerin auf die zwei eher zufälligen – lies: unaufmerksamen – Konzertbesucher: „Ein Konzert! Hier können wir sprechen!“ Der Kampf zwischen der Darbietung der Sängerin und dem intriganten Gespräch von Bolingbroke und Torcy ist eröffnet. Ein leides Thema, welches Kreisler in einer früheren Kabarettnummer bereits aufgegriffen hat (“Eine kleine Gute- nachtmusik“: Man geht heutzutage ins Konzert, weil man dort verschiedenes erfährt ...). Oder er verschmilzt Englisches (Hymne) mit Nicht-Englischem (Offenbach) und lässt daraus eine lächerlich royale Fanfare entstehen. Trotz vorder-gründiger Leichtigkeit handelt es sich stets um auskomponierte, strukturierte Spontaneität. Hier zeigen sich Kreislers handwerkliche Fähigkeiten und sein dramaturgisches Talent. In den Gesangstexten, welche ebenfalls aus Kreislers Feder stammen, manifestiert sich seine Meisterschaft der Floskel-Demontage, des eigensinnig Allgemeinen!