Zurück zum Seitenanfang
Herr von Kauz, ein Spekulant - und ein reicher, vergnügungssüchtiger Lüstling - hat vor einiger Zeit ein Delikt wirtschaftlich-krimineller Art begangen, das er, würde er ertappt, mit Gefängnisstrafe verbüssen müsste. Die Sache liegt nun schon aber eine Weile zurück, so dass er kaum mehr etwas zu befürchten hat. Wie aber sein Agent, der sich immer wieder als Intrigant für das Gute aufspielt, eine Spur verfolgt, droht Kauz Gefahr. Witzige Verwicklungen, aber auch der Drang nach Abenteuer, führen die Herren der sogenannten High Society im Hause einfacher Näherinnen zusammen. Als gerade das tollste Fest beginnt, kommt eine unerwartete Nachricht, womit alles abrupt abbricht. "die niedere Volée" wird aber vom noblen Kauz ins Landhaus eingeladen, wo die Unterhaltung anderntags weitergehen soll ,,,
Es ist nicht unbedingt ein Happy-End, das da am Schluss steht, obwohl sich zwei Paare finden. Denn der Täter kommt, zwar nicht ungeschoren, doch ohne Verbüssung einer Strafe weg. So vieles lässt sich einfach vertuschen, wenn man nur tüchtig in den Sack langt....
Zurück zum Seitenanfang
Johann Nepomuk Nestroy wurde 1801 in Wien als Sohn eines Advokaten tschechischer Herkunft geboren, studierte zunächst Jura und wurde dann Opernsänger. Mit 22 Jahren debütierte er an der Wiener Hofoper als Sarastro in Mozarts Zauberflöte. Ein Jahr später wurde er an das Deutsche Theater in Amsterdam verpflichtet. Nestroy wurde einer der beliebtesten Volksschauspieler. Während seiner Berufspraxis - er galt als grosses komisches Talent und spielte viele Helden seiner Stücke selbst - entwickelte er sich zum vielseitigen Bühnenautor. Seinen ersten durchschlagenden Erfolg hatte er1833 mit DER BÖSE GEIST LUMPAZIVAGABUNDUS. In seiner 40jährigen Theaterlaufbahn schrieb er 86 Stücke und verkörperte 879 Rollen
Seine kritische Haltung, seine Satire, sein unverblümter Hohn, seine Parodien, das alles machte auch bei seinen eigenen Figuren nicht halt. Im Gegenteil, er klammerte sich selbst nie aus, verschonte sich keineswegs. "Ich glaube von jedem Menschen nur das Schlechteste, selbst von mir, und ich habe mich noch selten getäuscht". Gar oft verbüsste er Arreststrafen wegen "ehrenrührigen Extemporierens" (aus dem Stegreif reden), was zeigt, dass er immer wieder mit der Zensurbehörde ins Gehege kam. Von 1854 bis1860 war er zudem Direktor des Leopoldstätter Theaters, danach zog er sich nach Graz zurück. Als er 1862, nur wenige Wochen nach seinem letzten Auftritt starb, trauerte halb Wien um ihn. Doch die Nachwelt flocht nur dem mimen Kränze, denn wer sollte schon SEINE rollen spielen können? Erst 20 Jahre später wurden seine Stücke wieder ausgegraben und 50 Jahre später durch Karl Kraus der Öffentlichkeit wieder ins Bewusstsein gebracht.
Nestroys dramaturgische Technik ist verhältnismässig einfach, mitunter schablonenmässig, seine Stoffe sind meist fremden Vorlagen entnommen, jedoch durch die geniale Verarbeitung ganz sein eigen. Seine Stärke war (und ist!) sein aggressiver und pointierter Sprachwitz, mit dem er das Wiener Bürgertum kritisiert und entlarvt. Das "klassische" Zauberspiel geht bei ihm in Gesellschftssatire mit tiefen menschlichen und sozialen Einblicken über oder wird durch geistreiche und komische Parodien zeitgenössischen Lebens und Schaffens abgelöst. Nestroy was ein hintergründiger lachender Philosoph, der manch bittere Einsicht auf witzigste Art aussprach.