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Jean Anouilh schrieb über sich selbst: "Ich wurde am 23. Juni 1910 in Bordeaux geboren. Ich kam jung nach Paris und besuchte dort die Ecole Colbert und das Collège Chaptal. Danach anderthalb Jahre Jurastudium in Paris, anschliessend zwei Jahre Praxis in einer Werbeagentur, für mich eine Lehre in Scharfsinn, Erfindung und Genauigkeit des Ausdrucks. Die ein Literaturstudium ersetzte. Nach der Aufführung meines Stückes "L'Hermine" entschloss ich mich, ausschliesslich vom Schreiben fürs Theater zu legen, gelegentlich auch für den Film. Es war Wahnsinn, aber ich tat recht daran, diese Entscheidung zu treffen. (...) Das übrige ist mein leben, und so lange es dem Himmel gefällt, wird es meine Privatangelegenheit bleiben, und ich werde die Details für mich behalten."
Unter den Dramatikern dieses Jahrhunderts hat keiner sich mit vergleichbarer Ausdauer und Leidenschaft dem Theater verschrieben wie Anouilh. Er war ein Theaterbesessener. Man hat diesen leidenschaftlichen "Stückeverfertiger" den Molère des 20. Jahrhunderts genannt. Die Lust am Spiel im Spiel führt zu einfallsreichsten Handlungsverknüpfungen und Bühneneffekten.
Anouilh blieb zwar stets der klassischen französischen Komödie verpflichtet, aber statt in "Tragödie", "Komödie", "Historisches Drama" usw. gliederte er sein Werk in "Pièces noires"(schwarze Stücke), "Pièces roses" (rosa Stücke), "Pièces brillantes (glänzende Stücke), "Pièces grinçantes" (knirschende Stücke) und "Pièces costumées" (Stücke in Kostüm). "Einladung ins Schloss" gehört zu den "Pièces brillantes". In all seinen Stücken geht es Anouilh darum, das Leben zu zeigen, wie es ist: also auch absurd, grotesk, surreal, verlogen. Der Sarkasmus dominiert, aber die Sehnsucht nach der vollkommenen Menschenliebe schimmert stets durch.
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Hauptakteure sind die Zwillingsbrüder Horace und Fréderic, deren Doppelrolle von demselben Schauspieler gespielt wird. Damit ist die Handlung von Anfang an so verwickelt, dass selbst die mitwirkenden nicht mehr wissen, was hier "gespielt" wird.
Horace arrangiert eine "Einladung ins Schloss", um seinen Bruder Frédéric von seiner Heirat mit der reichen Diana Messerschmann abzubringen. Er lädt dazu die junge Tänzerin Isabelle ein. Sie soll Dianas Eifersucht erregen, auf dass diese ihren bösen Charakter hervorkehre und Frédéric die Verlobung löse. Eine Reihe komischer Gestalten bevölkern das Fest. Einige spielen nach Horace Anweisung ihre Rolle, etliche spielen sie ohne Anweisung, weil sie nicht anders können, als immer jemandem etwas vorzuspielen. Sie werden auf diesem Fest durch Horace boshaft entlarvt: "Sie kamen, um zu tanzen, zu lachen, um sich die Komödie einer intakten Gesellschft vorspielen zu lassen (...). In Wahrheit, meine Damen und Herren, waren Sie ohne Ihr Wissen selber Akteure einer Komödie..."
Schliesslich verheddert sich Horace selbst in den Schlingen, die er ausgelegt hat, wird ein Opfer der Komödie, die er selbst inszeniert hat. Er will Isabelle dem Bruder als mögliche Braut zuspielen, aber das gelingt ihm nicht. Im Gegenteil: Isabelle verliebt sich in ihn, Horace.
Bis zur Entwirrung aller Fäden und bis zu Besänftigung der frustrierten Gäste gilt es noch viele Hindernisse zu überwinden, bröckelt noch manche Fassade. Die Tante der Zwillingsbrüder hilft mit ihrer trockenen Ironie nach: "Wir müssen zu Ende kommen. Dieses Theater hat schon viel zu lange gedauert."